Psychologie braucht Masterabschlüsse!

14. Oktober 2013

DGPs unterstützt Forderungen von Studierenden

Wie zuvor in Würzburg, fordern jetzt Hamburger Psychologie-Studentinnen und Studenten, eine ausreichende Anzahl von Master-Studienplätzen in ihrem Fach zur Verfügung zu stellen. Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.) unterstützt diese Forderung seit langem, denn in der Psychologie ist nur der Master of Science-Abschluss wirklich berufsqualifizierend und berechtigt u.a. zur Psychotherapie-Ausbildung.

„Wir brauchen einen 100%igen Übergang vom Bachelor- zum Master-Studium,“ fordert Prof. Dr. Jürgen Margraf, Präsident der DGPs und Humboldt-Professor an der Ruhr-Universität Bochum. „Wegen des sehr hohen Numerus Clausus im Studienfach Psychologie bekommen wir die Besten der Besten und können ihnen nicht garantieren, dass sie ihr Fach zu Ende studieren können. Hier ist dringend Abhilfe erforderlich,“ so Margraf weiter. Auch auf europäischer Ebene wird eine entsprechende Anzahl von Master-Studienplätzen gefordert, denn nach dem Verständnis der europäischen Fachgesellschaften für Psychologie qualifiziert der Bachelor-Abschluss nicht für eine unabhängige, selbständige psychologische Berufstätigkeit.

Aus folgenden Gründen sollte die Anzahl der Masterstudienplätze der Anzahl der Bachelorabsolventen entsprechen (100-%- Übergangsquote):

  1. Qualifikation:
    Nur die Kombination von Bachelor- und Master-Studiengang gewährleistet in der Psychologie eine qualitativ hochwertige Ausbildung, wie sie für die verschiedenen Berufsfelder benötigt und gefordert wird. Auch das Konzept des European Diploma in Psychology (EuroPsy) zur Schaffung eines europaweit akzeptierten Ausbildungsstandards sieht ein fünfjähriges Bachelor- und Master-Studium vor, gefolgt von einer mindestens einjährigen intensiv betreuten Praxisphase. Nach dem Verständnis der europäischen Fachgesellschaften für Psychologie qualifiziert der Bachelor dagegen nicht für eine unabhängige, selbständige psychologische Berufstätigkeit.

  2. Bedarf:
    Nach wie vor steigt die gesellschaftliche Nachfrage nach qualitativ hochwertigen psychologischen Dienstleistungen in vielen Bereichen. Im Bereich der Psychotherapie besteht bereits eine deutlich Versorgungslücke. Aber auch die qualifizierte Tätigkeit von Psychologinnen und Psychologen außerhalb psychotherapeutischer Bereiche, beispielsweise in der Prävention und Rehabilitation, wird in einer alternden Gesellschaft zunehmend wichtiger. Zudem findet in der Arbeitswelt im Zuge des demografischen Wandels ein Paradigmenwechsel von der Personalauswahl hin zur Personalentwicklung statt. Die hierzu notwendige Abstimmung zwischen psychologischer Diagnostik und Intervention ist nur von Master-Psychologinnen und -Psychologen gewährleistet. Auch in den Bildungswissenschaften, Stichwort „Pisa-Schock“, ist in den letzten Jahren ein hoher Bedarf an vertieft wissenschaftlich ausgebildeten Psychologinnen und Psychologen entstanden. Schließlich ist fundierte psychologische Arbeit im Gutachtenwesen, z.B. in der Forensik oder im Verkehrswesen unabdingbar.

  3. Fehlplanung:
    Es gibt keinen nennenswerten Arbeitsmarkt für Absolventinnen und Absolventen mit dem Abschluss Bachelor of Science für Psychologie. Psychologienahe Ausschreibungen richten sich weiterhin dezidiert an Diplom- und Masterabsolventen. Eine zu große Diskrepanz zwischen der Anzahl der Bachelorabsolventen und der Anzahl der angebotenen Master-Studienplätze führt somit zu einer großen Anzahl von Absolventen mit ungewissen Chancen auf einen qualifikationsangemessenen Arbeitsplatz.


Als Gesprächspartner steht Ihnen zur Verfügung:
Prof. Dr. Jürgen Margraf, Präsident der DGPs und Humboldt-Professor an der Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 – 32 23169
Email: juergen.margraf(at)ruhr-uni-bochum.de   
http://www.kli.psy.ruhr-uni-bochum.de/ae/deae/prof_dr_Margraf_de.html

Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm, Vize-Präsidentin der DGPs und Professorin an der Universität Nürnberg-Erlangen
Tel. 09131 - 852 2307
Email: andrea.abele-brehm@fau.de
http://www.sozialpsychologie.phil.uni-erlangen.de/personen/lehrstuhlinha...