Gründungsdirektor des AEI Prof. Bernard F. Schutz verabschiedet

06. Oktober 2014


Prof. Bernard F. Schutz
Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut/AEI) und
Leiter der Abteilung Astrophyikalische Relativitätstheorie.
Professor, Physics and Astronomy, Cardiff University, Wales, UK.
Honorarprofessor der Physik, Leibniz Universität Hannover.
Honorarprofessor der Physik, Universität Potsdam.

© N. Michalke/Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut/AEI)

Knapp 20 Jahre hat Prof. Bernard F. Schutz wesentlich zum internationalen Erfolg des Potsdamer Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik beigetragen. Jetzt wurde er am Institut verabschiedet. Von Ruhestand wird nach seiner Emeritierung allerdings nicht die Rede sein. "Künftig werde ich mich voll und ganz der Forschung, der Open-Access-Bewegung und einem an der Universität Cardiff neu gegründeten Institut für Big Data widmen. Außerdem werde ich weiter eng mit meinen Kollegen am AEI zusammenarbeiten", beschreibt Bernard F. Schutz seine Zukunftspläne.

Als Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik/Albert-Einstein-Institut in Potsdam (gemeinsam mit Prof. Dr. Jürgen Ehlers) hat Bernard Schutz seit 1995 entscheidend dazu beigetragen, die Forschung auf dem Gebiet der Allgemeinen Relativitätstheorie in Deutschland wieder zu beleben. Innerhalb des Instituts leitete er die Abteilung Astrophysikalische Relativitätstheorie. Aufgrund seiner Arbeiten in der Theoretischen Astrophysik –  dazu gehören unter anderem theoretische Berechnungen von Gravitationswellensignalen und die Entwicklung von Methoden für die Datenauswertung von Gravitationswellendetektoren – gehört er zu den international führenden Experten auf dem Gebiet der Allgemeinen Relativitätstheorie.

Schutz war und ist ganz wesentlich am Aufbau und an der fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen theoretisch und experimentell arbeitenden Astrophysikern weltweit beteiligt. Er ist eine der Schlüsselpersonen, die das Feld der Gravitationswellenastronomie begründet haben, das heute mit dem Betrieb von GEO600, LIGO, Virgo sowie mit dem künftigen Weltraumobservatorium eLISA kurz vor der Aufnahme einer vollkommen neuen Art astronomischer Beobachtungen steht.

Schutz engagiert sich außerdem in der Open-Access-Bewegung mit dem Ziel, wissenschaftliche Ergebnisse kostenfrei und öffentlich im Internet zugänglich zu machen. In diesem Zusammenhang gründete er das Open-Access-Journal Living Reviews in Relativity. Das erfolgreiche Konzept von Living Reviews wurde inzwischen von zahlreichen anderen Publikationen in verschiedenen Forschungsfeldern von der Astronomie bis zur Politikwissenschaft übernommen.

Der gebürtige Amerikaner Bernard F. Schutz schloss 1967 sein Physik-Studium an der Clarkson University in Potsdam (State of New York/USA) ab und promovierte (PhD) 1971 am California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena, Kalifornien. Am Caltech waren Anwendungen der Allgemeinen Relativitätstheorie in der Astrophysik zu dieser Zeit ein brandheißes Thema, das Bernard Schutz in seinen Bann zog. Mitte der 1980er Jahre dann überzeugte Prof. James Hough von der University of Glasgow in Schottland Schutz davon, sich der Gravitationwellenforschung zu widmen. Seitdem konzentrierte er sich mehr und mehr auf dieses Gebiet und prägte es mit seinen wissenschaftlicher Arbeiten und innovativen Ansätzen. Das Potential der Gravitationswellenastronomie ist heute unbestritten. Schutz hat mit seinem diplomatischen Geschick und seiner internationalen Erfahrung wesentlich dazu beigetragen, das internationale Netzwerk der Gravitations-Observatorien aufzubauen und eine enge Zusammenarbeit mit anderen astronomischen Forschungsgebieten zu begründen.

Bernard F. Schutz wurde vielfach für seine wissenschaftliche Arbeit ausgezeichnet. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Fellow der Society of Learned Wales, Mitglied der Royal Academy of Arts and Sciences, Uppsala sowie Fellow der American Physical Society und des Institute of Physics (UK). Bernard Schutz hat darüber hinaus bereits die Amaldi Goldmedaille der italienischen Gesellschaft für Gravitation und die Ehrendoktorwürde der Wissenschaft von der Universität Glasgow erhalten und ist Ehrenmitglied der International Society on General Relativity and Gravitation.

Nachfolgerin von Prof. Schutz ist Prof. Dr. Alessandra Buonanno.